The Novel of My Life ›Vienna Exhibition — The “Friend of the Czechs”

Chapter 23 · side by sideVienna Exhibition — The “Friend of the Czechs”WIENER AUSSTELLUNG — DIE »TSCHECHENFREUNDIN«

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Deutsch — 1926English

Im alten »Kunstverein« schlug ich meine Stätte auf. Die Aufmachung war sehr stattlich: ich hatte auch mein von der Kaiserin Friedrich gemaltes Porträt dabei. Der Hausdiener erkannte es gleich, meinte aber: »Das sind wohl gnä Frau, wie Sie älter waren!« (Und es war doch in meiner zartesten Jugend gemalt!) Der damalige deutsche Botschafter von Wedel hat mir die Ausstellung eröffnet. Der Kustos des Kunstvereins, Hofrat T., machte sie mir recht beschwerlich, aber schließlich fing sie an zu florieren. Ich hielt auch Vorträge meiner Gedichte darin und kam immer mehr in die Wiener Gesellschaft. Die alte Fürstin Pauline Metternich war mir sehr interessant, die berühmte »belle laide« aus der Zeit des dritten Napoleon. —

In the old “Kunstverein” I set up my quarters. The presentation was very stately: I also had with me my portrait painted by the Empress Frederick. The house porter recognised it at once, but remarked: “That'll be madam, I suppose, when you were older!” (And yet it had been painted in my tenderest youth!) The German ambassador of the day, von Wedel, opened the exhibition for me. The custodian of the Kunstverein, Hofrat T., made it quite burdensome for me, but in the end it began to flourish. I also gave readings of my poems there and came more and more into Viennese society. Old Princess Pauline Metternich was very interesting to me, the famous “belle laide” from the days of the third Napoleon. —

Unendlich vielen neuen Menschen trat ich näher, so den Lyrikern Anton Lindner, Leo G. und der Romanschriftstellerin Emil Marriot. Lindner und G. machten mir den Hof. Lindner hatte etwas unendlich Schwermütiges und machte auf mich einen gewissen Eindruck. Bis er mir eines Tages gestand: wenn er so häufig zu mir in die Ausstellung käme, so sei dies nur, weil er eine tiefe, unglückliche Liebe habe und im Gespräch mit mir ein Palliativ gegen seine Schmerzen suche. —

I came closer to infinitely many new people, such as the lyric poets Anton Lindner, Leo G. and the novelist Emil Marriot. Lindner and G. paid court to me. Lindner had something infinitely melancholy about him and made a certain impression on me. Until one day he confessed to me: if he came so often to see me at the exhibition, it was only because he had a deep, unhappy love and sought, in conversation with me, a palliative against his pains. —

Mit G. machte ich eine Partie nach dem Kahlenberg. Dort mußte ich zu meinem Schmerz erkennen, daß er nichts weiter suche (gottlob aber vergebens) als ein Abenteuer mit einer »Dame«. Keine erfreulichen Erfahrungen.

With G. I made an excursion to the Kahlenberg. There, to my pain, I had to recognise that he was after nothing more (thank God in vain, though) than an adventure with a “lady.” No gratifying experiences.

Und dann hatte ich noch eine große Aufregung mit dem Böhmen Ludvig L., meinem Sylter Freund. Er war eigens nach Wien gekommen, um meine Kunst kennenzulernen, und war in seiner aufgeregten Art unendlich davon eingenommen; fand aber, daß das Wiener Publikum sich viel zu kühl ihr gegenüber verhalte. So beschloß er, dem Abhilfe zu schaffen.

And then I had another great upset with the Bohemian Ludvig L., my friend from Sylt. He had come to Vienna expressly to get to know my art, and in his excitable way was infinitely taken with it; but found that the Viennese public behaved far too coolly towards it. So he resolved to remedy that.

Eines Morgens, nachdem er sich am Abend heimlich hatte einschließen lassen wollen, was ihm mißglückte, fand ich ihn vor meiner Kirke, einen Revolver in der Hand. Er wollte sich davor entleiben, um der Ausstellung eine Sensation zu schaffen.

One morning, after he had tried the evening before to get himself secretly locked in, which had miscarried, I found him in front of my Circe, a revolver in his hand. He meant to take his own life before it, to create a sensation for the exhibition.

Nur mit Mühe brachte ich ihn wieder zur Vernunft, glaubte das wenigstens. — Nach ein paar Tagen prangten plötzlich an allen Plakatsäulen blutrote Riesenanschläge »Hermione von Preuschen, das genialste deutsche Weib, hat eine Ausstellung im Wiener Kunstverein. Es ist eine Schande, wie wenig sich die Wiener dafür interessieren — sie sollte nach Prag kommen, dort würde sie besser verstanden. Ein Tscheche in Wien.«

Only with difficulty did I bring him back to reason, or believed so at least. — A few days later there suddenly blazed on every advertising pillar blood-red giant posters: “Hermione von Preuschen, the German woman of greatest genius, has an exhibition in the Vienna Kunstverein. It is a disgrace how little the Viennese interest themselves in it — she should come to Prague, there she would be better understood. A Czech in Vienna.”

Als ich es zuerst entdeckte, war ich entsetzt, denn ich sagte mir, daß meine Feinde dies für einen Reklametrick meinerseits halten würden. Ich stürzte in das Plakatbureau; die Anschläge waren für acht Tage bezahlt; ich bezahlte das Doppelte, sie verschwinden zu machen. Mittlerweile erschienen in allen Blättern gehässige Artikel gegen die Tschechenfreundin. Bis sich endlich die Wiener »Zeit« meiner erbarmte und berichtete, daß ein Herr Ludvig L. auf ihrer Redaktion gewesen sei und gebeten habe, den gleichen Text als Inserat zu bringen, sie sich aber geweigert hätte. Daß es offenbar ein Geistesgestörter gewesen sei, der, wie sie eben erfahren, an schwerer Gehirnentzündung darniederliege. Das rettete mich einigermaßen. Trotzdem erhielt ich an jedem Tag Dutzende gehässiger Zuschriften, in einer sogar, mit Schreibmaschine, die Androhung, mir bei der Abreise einen tüchtigen Denkzettel zu geben.

When I first discovered it I was horrified, for I said to myself that my enemies would take this for a publicity trick on my part. I rushed to the poster office; the bills had been paid for eight days; I paid double to make them disappear. Meanwhile spiteful articles against the friend of the Czechs appeared in all the papers. Until at last the Viennese “Zeit” took pity on me and reported that a Herr Ludvig L. had been at its editorial office and had asked to run the same text as an advertisement, which it had refused. That it had evidently been a mentally disturbed man who, as it had just learned, was lying gravely ill with inflammation of the brain. That rescued me to some degree. All the same I received dozens of spiteful letters every day, in one of them, typewritten, even the threat to give me a sound lesson to remember on my departure.

Meine Wiener Erfolge waren mir dadurch etwas vergällt, und ich reiste unter Freundeseskorte und Herzklopfen ab.

My Viennese successes were somewhat soured for me by this, and I departed under an escort of friends and with a pounding heart.

Das war im Frühling. — Im Herbst wollte ich nach Korfu und Athen, bekam aber die Aufforderung, im Bösendorfer Saal in Wien Gedichte zu sprechen. Ich dachte, die Tschechenaffäre sei längst vergessen, und sagte zu. Meine Gedichte waren die letzten des Abends. Aufgeregtes Fußscharren empfing mich. Nach dem zweiten Gedicht erhob sich plötzlich ein Höllenlärm auf Schlüsseln und Pfeifen und aufgeregte Zurufe: »Halts Maul, dumme Gans, halts Maul, Tschechenfreundin!«

That was in spring. — In the autumn I meant to go to Corfu and Athens, but received an invitation to recite poems in the Bösendorfer Hall in Vienna. I thought the Czech affair long forgotten, and accepted. My poems were the last of the evening. An agitated scraping of feet received me. After the second poem a hellish din suddenly arose, on keys and whistles, and agitated shouts: “Shut your mouth, silly goose, shut your mouth, friend of the Czechs!”

Da reckte ich mich höher und sprach mein eben begonnenes Gedicht:

Then I drew myself up taller and spoke the poem I had just begun:

Meine Seele Nun bricht sie ihre Bande, Spannt weit die Flügel aus Und fliegt durch Todeslande In's unendliche Leben hinaus. Die Flügelenden schleifen Lang hinter ihr im Kot — —

My Soul Now she breaks her bonds, Spreads her wings out wide And flies through lands of death Out into unending life. The ends of her wings trail Long behind her in the mire — —

(Mit Handbewegung nach den Schreiern)

(With a gesture of the hand towards the shouters)

Die Spitzen aber greifen Hinauf in's Morgenrot.

The tips, though, reach Up into the red of dawn.

Dann rauschte ich aus dem Saal. Es war wirklich ein glänzender Abgang. Draußen umarmten mich die aufgeregten Komiteedamen und versicherten mir die Journalisten, die unangenehme Sache vertuschen zu wollen. — »Warum?« fragte ich stolz, »ich bitte Sie um das Gegenteil«. — Aber sie: »Das ist unmöglich — denn es ist eine zu große Schande für die Wiener.« —

Then I swept out of the hall. It really was a brilliant exit. Outside, the agitated committee ladies embraced me, and the journalists assured me they meant to hush the unpleasant affair up. — “Why?” I asked proudly, “I beg you for the opposite.” — But they: “That is impossible — for it is too great a disgrace for the Viennese.” —

Am andern Tag sah es in meinem Zimmer wie bei einer Primadonna aus: die herrlichsten Blumen und Kränze hatte man mir gesandt, zum Zeichen, daß man nicht zu den Skandalisten gehöre. Mir hatte die Sache viel Freude gemacht, und ich dachte oft daran unter dem griechischen Himmel. — Der arme Ludvig L. wurde seinerzeit nach seiner Genesung in eine Heilanstalt überführt. Von dort schrieb er mir, er wolle die Kirke kaufen. Nach einigen Jahren erhielt ich eine Postkarte von ihm aus dem Kaukasus. »Ich habe meinen Onkel beerbt und wohne hier in der herrlichsten Natur. Könnten Sie sie sehen und malen.« Ich schrieb ihm wieder, aber nach einigen Wochen kam mein Brief als »unbestellbar« zurück. Danach habe ich niemals mehr von ihm gehört. — —

The next day my room looked like a prima donna's: the most glorious flowers and wreaths had been sent me, as a sign that one did not belong to the scandal-makers. The affair had given me much pleasure, and I often thought of it under the Greek sky. — Poor Ludvig L. was in due course, after his recovery, transferred to an asylum. From there he wrote to me that he wanted to buy the Circe. Some years later I received a postcard from him from the Caucasus. “I have inherited from my uncle and live here amid the most glorious nature. If only you could see it and paint it.” I wrote back to him, but after some weeks my letter came back as “undeliverable.” After that I never heard from him again. — —