The Novel of My Life ›“An Ordinary Herr von H...”

Chapter 28 · side by side“An Ordinary Herr von H...”»EIN GEWÖHNLICHER HERR VON H...«

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Deutsch — 1926English

Zu Hause, im »Waldfrieden«, arbeitete ich nun an meinem »Moloch Liebe«. — Christl besuchte mich für ein paar Tage, doch war ihm Schmargendorf nur das Sprungbrett, um Berlin und seine Kliniken kennenzulernen; er erkältete sich auf der Elektrischen und zog mit Protest aus dem »Waldfrieden«, weil es dort »feucht und kalt« sei und er dabei »unmöglich gesund werden könne«. Er sagte das mit so bösem Ausdruck, daß mir’s plötzlich durch den Sinn fuhr: Das ist ja das vollendete Molochmodell.

At home in the “Waldfrieden” I was now working on my “Moloch Love.” — Christl visited me for a few days, but Schmargendorf was to him only the springboard for getting to know Berlin and its clinics; he caught cold on the electric tram and moved out of the “Waldfrieden” under protest, because it was “damp and cold” there and he “could not possibly get well” in it. He said this with so evil an expression that it suddenly shot through my mind: why, that is the perfect model for the Moloch.

Im Herbst ging ich nach Sulden und wollte mich trainieren, den Ortler zu besteigen. Beim Abstieg von der Düsseldorfer Hütte stürzte ich im Schneetreiben und kam nur mühsam mit Hilfe von zwei Touristen nach Sulden zurück. Der dortige Arzt konstatierte einen leichten Kniescheibenbruch. Es war anfangs nicht schlimm, doch da ich wieder ausgehen durfte, machte ich bei dem Prachtwetter eine kleine Bergtour. Dadurch entzündete sich die beschädigte Stelle, und ich mußte nun in Gipsverband. Als die Saison in Sulden endigte, mußte ich nach Meran geschafft und dort drei Wochen im Rollstuhl gefahren werden. Zur Erholung ging ich dann ins Grandhotel nach Trient. Christl diente dort eben sein Jahr bei den Kaiserjägern und kam jeden Tag zu Tisch. Auch machten wir schöne Wagenfahrten zusammen. Dann ging ich noch für eine Weile zu meinen Freunden Scala nach Innsbruck. Ich reiste so viel und so lange, weil man mir die Kinder stets nach Höckendorf abbettelte.

In the autumn I went to Sulden, meaning to train myself for climbing the Ortler. On the descent from the Düsseldorfer Hütte I fell in driving snow and got back to Sulden only with difficulty, helped by two tourists. The doctor there diagnosed a slight fracture of the kneecap. At first it was not bad, but once I was allowed out again I made a small mountain tour in the splendid weather. The damaged place became inflamed by it, and I now had to go into plaster. When the season at Sulden ended I had to be carried to Meran and pushed about there for three weeks in a wheelchair. To recover I then went to the Grand Hotel at Trient. Christl was just then serving his year with the Kaiserjäger there and came to table every day. We also made fine drives out together. Then I went for a while to my friends the Scalas at Innsbruck. I travelled so much and so long because the children were always being begged away from me to Höckendorf.

Als ich diesmal zurückkam, war endlich Inge einmal wieder bei mir. Eines Tages kam ein Brief von Christl:

When I came back this time, Inge was with me again at last. One day a letter came from Christl:

»Liebe Mio! Ich habe mich verlobt, bitte sieh nun wieder in mir einen gewöhnlichen Herrn von H...«

“Dear Mio! I have become engaged; please see in me again an ordinary Herr von H...”

Ich war wie vom Donner gerührt und beschloß, noch in der gleichen Nacht nach Wien zu fahren und alle Einzelheiten zu erkunden. Inge gab ich derweilen zu Frau Kwiet, die sie mit offenen Armen aufnahm und nur ungern hergab, als ich sie nach zwei Nächten und einem Tag wieder von ihr zurückholte.

I was thunderstruck, and resolved to travel to Vienna that same night and find out every detail. Inge I gave meanwhile to Frau Kwiet, who took her in with open arms and gave her up only unwillingly when I fetched her back after two nights and a day.

Ich wollte sehen, ob ich mir nicht wenigstens seine Freundschaft retten könne.

I wanted to see whether I could not at least save his friendship for myself.

Morgens zehn Uhr erschien ich in der Wohnung Christls und seines Bruders. Ich mußte noch eine Weile warten, die jungen Herren schliefen noch. Aber ich mußte dann erkennen, daß Christls Liebe nur eine kurze Täuschung gewesen war. Mit tausend Schmerzen mußte ich’s erkennen. Er brachte mich am Abend wieder zur Bahn und bestellte sich auf meine Kosten Rehbraten und Nockerl. Da erfaßte ich den Kern der Sache:

At ten in the morning I appeared at the flat of Christl and his brother. I had to wait a while, the young gentlemen were still asleep. But I then had to recognise that Christl's love had been only a short delusion. With a thousand pains I had to recognise it. In the evening he took me back to the station and ordered himself roast venison and Nockerl at my expense. At that I grasped the kernel of the matter:

»Das Leben ist Tragödie nur und Farce.«

“Life is nothing but tragedy and farce.”

Der Vater hatte damals seinen Sohn besser gekannt. Ich war ihm wirklich nur eine Episode gewesen. Aber eine Schönheitskur für mich waren diese Erfahrung und diese Gewaltreise nicht.

The father had known his son better after all. I had really been only an episode to him. But this experience and this forced journey were no beauty cure for me.