The Novel of My Life ›Niobid Arms

Chapter 32 · side by sideNiobid ArmsNIOBIDENARME

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Deutsch — 1926English

Wie kann man sie erfassen, die Einsamkeit, wie kann man sie zwingen, uns zu segnen, wenn sie uns schüttelt, daß wir erstarren. Dann liegen wir wie betäubt und sehen nur den einen hellen Punkt — sie! Und dann sehen wir gar nichts mehr — und liegen wie in dumpfer Betäubung. Lebendig tot!

How can one seize hold of her, loneliness, how can one force her to bless us, when she shakes us until we stiffen. Then we lie as if stunned and see only the one bright point — her! And then we see nothing at all any more — and lie as in a dull stupor. Alive and dead!

Und wir rasen durch die Welt — wir sehen das Höchste, das Schönste — aber es dringt nicht erwärmend in unser Inneres, wir können nicht zu ihm — dazwischen wälzt ein dunkler Strom schwere, eisige Wasser. Und auf den Wassern zieht sie vorüber, die dunkle Frau, die Einsamkeit, die Vernichterin, und ihre Augen glühen uns an, blank, erstarrend. Sie zieht vorüber, aber wir ziehen mit, wir halten gleichen Takt. Durch alle Süße des Lebens, die nicht für uns erblühte — an allen Düften, allen Wonnen vorbei. Ist das der Gipfel? Oder ist es schon der Abstieg, schneller und schneller, und es geht hinunter in die schaurigen Tiefen der Vernichtung? Wie mühevoll war der Weg — wie haben wir gesehnt und gebangt und gerungen und gedarbt und gearbeitet und gekämpft — von dem Erwachen unserer bewußten Jugend an! Wie haben wir uns herumgeschlagen mit all unsern Feinden. Unter die Füße wollten wir sie zwingen, der Welt den Stempel unserer Persönlichkeit aufdrücken. Immer weiter, Jahr um Jahr haben wir das gewollt. Und die Hoffnung schritt uns zur Seite und träufte Balsam auch in unsere Verzweiflung. Und sie stählte uns, gab immer wieder neue Kraft. Uns selber unbewußt! Wir wollten jung sein, wir wollten jung bleiben, innen und außen. Um als Sieger auf den Gipfel zu kommen, von seiner Höhe Umschau haltend die Welt zu meistern. Und wir stiegen — ach, zu was der pluralis maiestatis (die Einsamkeit und ich), ich lernte und schaute, ich wirkte nach innen. Und ich fühlte, und mein Gefühl zermürbte meine Kraft. Als Kind sagten meine Eltern: »Sie hat kein Gemüt!« Da schämte sich das Gefühl und barg sich nach innen und scheute sich, sein Selbst zu zeigen. Heiter und lebhaft nannte mich die Welt und schön und liebenswürdig. Doch ich war nur einsam, und ich suchte einen Weggenossen — zum Gipfel — zu meinem Gipfel.

And we race through the world — we see the highest, the most beautiful — but it does not penetrate warmingly into our inward parts, we cannot get to it — between us and it a dark current rolls heavy, icy waters. And over the waters she passes, the dark woman, loneliness, the annihilator, and her eyes glow at us, bright, freezing. She passes by, but we go along with her, we keep the same time. Through all the sweetness of life that did not flower for us — past all the fragrances, all the raptures. Is this the summit? Or is it the descent already, faster and faster, and does it go down into the ghastly depths of annihilation? How toilsome the way was — how we have longed and feared and wrestled and gone without and worked and fought — from the awakening of our conscious youth onward! How we have knocked about with all our enemies. We meant to force them under our feet, to press the stamp of our personality on the world. Ever onward, year after year we have wanted that. And hope walked at our side and dripped balsam even into our despair. And she steeled us, gave new strength again and again. Without our knowing it ourselves! We wanted to be young, we wanted to stay young, inwardly and outwardly. To come to the summit as victors, and from its height, looking round us, to master the world. And we climbed — ah, what is the plural of majesty for (loneliness and I), I learned and looked, I worked inwardly. And I felt, and my feeling wore my strength away. As a child my parents said: “She has no heart!” Then feeling grew ashamed and hid itself inwardly and was afraid to show its own self. Cheerful and lively the world called me, and beautiful and amiable. But I was only lonely, and I sought a companion for the road — to the summit — to my summit.

Ich suchte einen Weggenossen! Und wie oft hab’ ich mich getäuscht. Und doch — jede Lebenstäuschung — sie war nicht umsonst — sie half über so manchen Abgrund — sie gab so manche Blüte — an Gedichten und Bildern — an Mut und Kraft. — Heute weiß ich’s — es waren die Notbrücken über Abgründe. Und sie stürzten ein, sobald sie überschritten waren. Einmal aber glaubte ich, die Brücke zu haben über alles Lebensdunkel bis ins Gefilde der Seligen. Sie hielt fünf Jahre. Fünf Jahre habe ich bewußt gelebt, ein menschenwürdiges Dasein, an der Seite eines Großen im Geist! Wie war ich da stark, wie bin ich da gewachsen an Seele und Kunst. Und dann ging er hinüber — heimlich, jäh — da ich mich am geborgensten fühlte. Und ich erwachte in einen leeren Tag, in ein leeres Leben. Da kam die Verzweiflung und ließ mich Hilfe suchen in andern Augen. In Augen, die nur einen schwachen Funken hatten von der Sonne seiner Seele. Und wenn dieser Funke nur einen Tag mich getröstet — welche Wegstrecken legt’ ich an diesem einen Tag zurück, wie kam ich immer höher — immer höher. — Aber nun ist mählich die Hoffnung hinter mir geblieben; die Einsamkeit schaut mir immer tiefer in die Augen. Ich gab meine Kinder her um ein Linsengericht: der »guten Erziehung« und eines zu ererbenden Vermögens. Sieben Jahre kämpften sie mit mir, die Sippen, und redeten von meinem Mangel an wahrer Mutterliebe, die sich nicht selber opfern kann, die nur ihr eigenes Behagen, das Zusammensein mit den Kindern will, die nicht einsehen kann, was sie den Kindern verwehrt, wie sie ihnen den Weg zu ihrem Lebensglück versperrt. Und nach sieben Jahren wurde ich mürbe und gab das Letzte hin, meine Kinder. — Ich wollte weiter steigen, den alten steilen Weg, durch Sonnenbrand und Eislüfte, den alten, vertrauten Höhenweg, den ich wandere seit meiner Kinderzeit. Da ist mir plötzlich, als sei es ein falscher Pfad, der nie und nimmer zum Gipfel führt, zum Gipfel meines Seins. Und eine Müdigkeit beschleicht mich und die Hoffnung ist geschwunden.

I sought a companion for the road! And how often I deceived myself. And yet — every delusion of life — it was not in vain — it helped over many an abyss — it gave many a flowering — in poems and pictures — in courage and strength. — Today I know it — they were the emergency bridges over chasms. And they collapsed as soon as they had been crossed. Once, though, I believed I had the bridge over all the darkness of life, right into the fields of the blessed. It held five years. For five years I lived consciously, an existence worthy of a human being, at the side of one great in spirit! How strong I was then, how I grew then in soul and in art. And then he went across — secretly, abruptly — just when I felt most sheltered. And I woke into an empty day, into an empty life. Then came despair, and made me seek help in other eyes. In eyes that had only a faint spark of the sun of his soul. And if that spark comforted me for only a day — what stretches of road I covered in that one day, how I came ever higher — ever higher. — But now hope has gradually been left behind me; loneliness looks ever deeper into my eyes. I gave my children away for a mess of pottage: the “good upbringing” and a fortune to be inherited. For seven years they fought with me, the clans, and talked of my want of true mother love, which cannot sacrifice itself, which wants only its own comfort, the being together with the children, which cannot see what it is denying the children, how it is barring their way to their happiness in life. And after seven years I was worn down and gave away the last thing, my children. — I wanted to climb further, the old steep way, through burning sun and icy airs, the old familiar high path I have walked since my childhood. Then it suddenly seems to me that it is a false path, which never in this world leads to the summit, to the summit of my being. And a weariness creeps over me and hope has vanished.

Vielleicht bin ich schon lange auf meinem Gipfel gewesen, und es war gar nicht die Höhe, von der ich geträumt — und ich sehe in Nacht und Dunkel, in Graus und Schrecken. Und alle Arbeit war umsonst. Und nun bin ich schon wieder auf dem Abstieg in schauerliche Niederungen, wo Ottern und Schlangen hausen — in Not und einsamen Tod. Ich habe den Glauben an die Zukunft verloren, die göttliche Leichtgläubigkeit. All meine Stützen brechen zusammen. Und der Weg ist dunkel und steinig. Und eisig kalt oder aber versengend heiß. Und ich stehe und kann nicht weiter. Ich kann nur weinen; ich habe meine Höhen vergessen. Die Einsamkeit starrt mir in die Augen, und die Verzweiflung ist mein Weggenoß.

Perhaps I have long since been at my summit, and it was not at all the height I dreamed of — and I look into night and darkness, into horror and terror. And all the work was in vain. And now I am on the descent again, into ghastly lowlands where adders and serpents have their dwelling — into want and a lonely death. I have lost my faith in the future, that divine credulity. All my supports are breaking down. And the way is dark and stony. And icy cold, or else scorching hot. And I stand and can go no further. I can only weep; I have forgotten my heights. Loneliness stares into my eyes, and despair is my companion for the road.

Da such’ ich die Betäubung. Die Betäubung in der Arbeit, die Betäubung in aller Schönheit der Welt. Ich rase durch die Länder! Und ich lerne! Immer mehr, immer Neues! Aber es hilft mir nur zuweilen dazu, den Blick der Einsamkeit weniger bohrend in der Seele zu fühlen.

Then I seek the stupor. The stupor in work, the stupor in all the beauty of the world. I race through the countries! And I learn! Ever more, ever something new! But it helps me only now and then to feel the gaze of loneliness boring less deep in my soul.

Fast ein Jahr lang hab’ ich nicht hieran geschrieben. Heut ist ein trüber Dezembertag, und ich war lange krank. Vorher hatt’ ich wieder viel Arbeit, manches Gelingen. Neue Welten von Schönheit und Kraft habe ich durchzogen. Meine Augen sind eigentümlich — in der Weltenweite schauen sie nur die Wunder von Schönheit und Sonne. Wenn ich aber dann lichtgeblendet in mich selber schaue, prallt mein Blick an eine schwarze Wand, ein wogendes Chaos von Schwärzen, je länger ich hinblicke — und mir ist, ich schaue in einen gurgelnden Schlund, der nur darauf wartet, mich zu verschlingen. —

For nearly a year I have not written at this. Today is a dull December day, and I was ill for a long time. Before that I had much work again, and some success. New worlds of beauty and strength I have travelled through. My eyes are peculiar — in the width of the world they see only the wonders of beauty and sun. But when, dazzled by the light, I then look into myself, my gaze strikes a black wall, a surging chaos of blacknesses, the longer I look — and it seems to me I am looking into a gurgling gullet that is only waiting to swallow me. —

Aber ich will nicht — will nicht!

But I will not — will not!

Ich will all das herrliche Geschaute und all das mit tausend Schmerzen und Leiden Erworbene hinübertragen, über den Abgrund meiner Seele, in der die Verzweiflung kauert und der Wahnsinn — hinüberretten in die Arche Noah, die wie ein Pünktchen hervorragt aus der Sintflut meiner Leiden, meiner Erfahrungen. Ich will nicht untergehen, ich will nicht. Was ich einmal besessen, soll unvergänglich strahlen und meine Nächte erhellen.

I will carry over all the glorious things I have seen and all that I have won with a thousand pains and sufferings, over the abyss of my soul, in which despair crouches and madness — carry it to safety into Noah's ark, which juts like a tiny dot out of the flood of my sufferings, my experiences. I will not go under, I will not. What I once possessed shall shine imperishably and light up my nights.

Und während ich dies schreibe, grinst mir die Einsamkeit über die Schulter, und ich breche weinend zusammen. Ich bin ja viel zu schwach. Oder alle meine Triebe und Sehnsüchte sind viel zu stark, um sich mit der Resignation des Gewesenen abzufinden. Ich suche mir meine Zukunft mit bunten Lappen zu behängen; es sind echte Steine dazwischen, aber ihr Glanz kann nur strahlen an der Hand der Liebe. — Ich will die Lappen nicht, ich will ein warmes Herz, ein einziges — und weiter nichts! Es ist ja alles nur Lebenslüge, eine neue und die allerschwankendste Notbrücke.

And while I write this, loneliness grins over my shoulder, and I break down weeping. I am far too weak. Or all my drives and longings are far too strong to put up with the resignation of what is past. I try to hang my future about with coloured rags; there are real stones among them, but their brilliance can only shine on the hand of love. — I do not want the rags, I want a warm heart, a single one — and nothing further! It is all only a life-lie, a new one and the most unsteady emergency bridge of all.

Ich will mir die »echten« Steine in den bunten Lappen meines Lebensnarrenkleides näher besehen. Sie heißen unbeschränkte, unbehinderte Freiheit, heute hier zu sein und morgen nach dem Äquator ziehen zu können, natürlich nur, soweit mir das meine bescheidenen Mittel und die damit verbundene Reisefindigkeit erlauben. Ich will den vollen Becher der Weltenschöne an die dürstenden Lippen führen und einen Trunk daraus tun, einen unersättlichen. Der Trank ist köstlich, wenn die Liebe ihn kredenzt. Von der Einsamkeit gereicht, wird er da nicht zum Giftbecher?

I will look more closely at the “real” stones in the coloured rags of my life's fool's costume. They are called unlimited, unhindered freedom, to be here today and be able to go tomorrow to the equator, only so far, of course, as my modest means and the travelling ingenuity that goes with them allow. I will lift the full cup of the world's beauty to my thirsting lips and take a draught of it, an insatiable one. The drink is delicious when love pours it out. Handed over by loneliness, does it not become the cup of poison?

Jeder Mensch im Universum kommt mir vor wie ein Punkt und ein Kreis. Und dieser Kreis seiner Lebenssphäre und seiner Interessen ist bei keinem gleich. Vom Kreis eines Stecknadelkopfumfangs bis zum Kreis des Genius, der die Welt umspannt, sehe ich. Und diese Billionen Kreise, die drehen sich in rasendem Wirbel um- und ineinander, wie ein ungeheures Räderwerk. Wenn in diesem Riesenmechanismus auch Millionen Kreise wieder zum Punkt werden und ins Nichts verschwinden, dann recken sich immer wieder neue Millionen empor zum Kreislauf alles Lebendigen, zum ungeheuren Totentanz der Welt. Denn sie tanzen, bis der Finger der Vernichtung sie fortwischt aus dem Räderwerk, um immer wieder neuen Tanzlustigen Raum und Lebensluft zu schaffen. Lebensluft! Wenige haben sie — und wie wenige entbehren sie. Die meisten fühlen sich am wohlsten im warmen Stickbrodem der Konvention. Der gibt dem leeren Hirn Stütze und Stärke. Warum verachte ich die großen Massen und wäre doch glücklich, wenn sie mir Hosianna riefen? Glücklich im Ruhm, dem Surrogat der Liebe, in meinem Surrogat. — — —

Every human being in the universe seems to me like a point and a circle. And this circle of his life-sphere and his interests is the same in nobody. From the circle of a pin-head's circumference to the circle of the genius that spans the world, I see them. And these billions of circles turn in a raging whirl about and within one another, like a monstrous system of wheels. Even if in this giant mechanism millions of circles become points again and vanish into nothing, then new millions stretch themselves up again into the circling of all living things, into the monstrous dance of death of the world. For they dance until the finger of annihilation wipes them out of the wheelwork, to make room and living air for new lovers of dancing. Living air! Few have it — and how few miss it. Most feel most comfortable in the warm suffocating fug of convention. That gives the empty brain support and strength. Why do I despise the great masses and would yet be happy if they cried hosanna to me? Happy in fame, the surrogate of love, in my surrogate. — — —

Die Münchner geben ihren Neugeborenen Schnuller in Bier getaucht. Wenn die Kinder schreien, flugs stopft man ihnen solche »Saugnuddel« ins Mäulchen. Da verstummen sie — und strahlen und lächeln — und lutschen, lutschen unentwegt stundenlang, bis sie den Betrug entdecken. Sehr oft aber entdecken sie ihn nicht, denn sie sind über dem Lutschen eingeschlafen. — — — Oft kam ich mir vor, wie so ein armer, dürstender, hilfloser Säugling. So oft ich schreie — immer wieder neue »Saugnuddel« steckt mir das Schicksal in den Mund. Dann scheint mir das Leben, die unerbittliche Sphinx, wieder ein lächelndes Antlitz zu zeigen, und ich glaube ihr wieder und werde wieder betrogen — zum tausendstenmal.

The Munich people give their newborns dummies dipped in beer. When the children scream, such a “sucking-rag” is promptly stuffed into the little mouth. Then they fall silent — and beam and smile — and suck, suck steadily for hours, until they discover the deception. Very often, though, they do not discover it, for they have fallen asleep over the sucking. — — — I have often seemed to myself like such a poor, thirsting, helpless infant. As often as I scream — fate keeps putting new “sucking-rags” into my mouth. Then life, the implacable sphinx, seems to me to be showing a smiling face again, and I believe her again and am deceived again — for the thousandth time.

»Zwischen dem Steinmeer am Horizont Erglimmt es zuweilen wie tagende Welten In rosigem Schimmer und ... rinnt in nichts. Ich aber — ich öffne die sehnenden Arme Und stürze dem Rosenschimmer entgegen, Doch eh er den Stein meines Herzens erreicht, Erlischt er wieder und ich — muß weiter. Und nur die äffenden Wandelbilder Höhnen gespenstisch erloschenes Leben! Vor jedem rosigen Schimmer breit’ ich Niobidenarme — ewig ins Leere!«

“Between the sea of stone on the horizon Something kindles at times like dawning worlds In a rosy shimmer and ... runs away into nothing. But I — I open my longing arms And rush to meet the rosy shimmer, But before it reaches the stone of my heart, It goes out again and I — must go on. And only the mocking shifting images Jeer ghost-like at extinguished life! Before every rosy shimmer I spread Niobid arms — for ever into the void!”

Ob viele so schwer wie ich an ihrem Leben tragen? Meine Seele ist wie eine phonographische Platte. Jede Schwingung von außen gräbt ihr ein Zeichen ein. Aber die Musik, die daraus entsteht, ist eine schaurige Dissonanz. Und das Leben könnte so tiefe und so süße Töne geben, könnte ausklingen überirdisch weich wie Sphärenmelodien.

Do many carry their life as heavily as I do? My soul is like a phonographic record. Every vibration from outside engraves a mark on it. But the music that comes of it is a ghastly dissonance. And life could give such deep and such sweet tones, could die away unearthly soft, like the music of the spheres.

Für die Seele, die alles begreift, alles verzeiht, alles versteht, nur das eine nicht, daß sie allein sein muß in dieser ungeheuren Welt, so zermalmend, so vernichtend allein. Warum es unter all den Millionen Kreisen keinen einzigen gibt, der in gleicher Größe und im gleichen Takt sich schwingt wie der ihre. Werd’ ich mich je hieran gewöhnen? — Werd’ ich je anders sein, mich wohlfühlen im Stickbrodem der Konvention? — Ach, und wenn ich’s tue, wenn ich mir eine feiste Seele anmäste — hab’ ich dann nicht mein bestes, mein ewiges Teil verloren?

For the soul that grasps everything, forgives everything, understands everything, only not the one thing, that it must be alone in this monstrous world, so crushingly, so annihilatingly alone. Why among all the millions of circles there is not one single one that swings at the same size and in the same time as hers. Shall I ever get used to this? — Shall I ever be otherwise, feel comfortable in the suffocating fug of convention? — Ah, and if I do, if I fatten myself a fat soul — have I not then lost my best, my eternal part?

Die meisten, die in der sogenannten Jugend glühende Träume und Wünsche hegten, verlieren sie noch vor dem dreißigsten Lebensjahr. Und dann blicken sie von dem festen Standpunkt, ihrem engen Kreis, mit Verachtung auf die andern herab, deren Kreis so weltfern in goldenen Lichtern verglüht, verzittert. Deren tausend Sehnsüchte darüber huschen, wie die Irisfarben des Regenbogens. Eine feiste Seele — die gäbe die Kraft, unentwegt alles zu tragen, wenn man nur satt und nahrhaft zu essen und zu trinken hat. Wie soll ich mir denn mein Leben einrichten, daß die Einsamkeit mir nicht das Herz zerfrißt — wie werd’ ich denn gefestet vor ihrem tödlichen Kobrabiß? Ihr fest in die abgründigen Augen sehen, mich in ihre eiskalten Knochenarme schmiegen: ich fürchte mich nicht — ich bin bei dir, du kannst mir nichts tun, du hast mir ja schon alles genommen, nun gib mir, was du geben kannst — die Größe! — Wenn ich so zu ihr spräche, sollt’ ich sie da nicht bezwingen? Für Momente vielleicht; wenn aber die Sündflut der Jahre über mir zusammenschlägt, muß ich da nicht erfrieren? Erfrieren mit einem Herzen, dessen Zündstoff Welten in Brand setzen könnte? Ach, wie, wie kann ich sie je bezwingen, die fürchterliche Titanin mit der Knochenfaust und den abgrundtiefen Augen? Werd’ ich nicht doch ein jähes, ein gewaltsames Ende nehmen, nur um dem Tod in der Vereisung zu entrinnen? Abgeführt von dem Mann im Narrenkleid mit den grellen Augen? Oder aber, getötet von der doch noch errungenen »feisten Seele«, stirbt mein Ewiges, das rinnende Licht meiner tausend Sehnsüchte, ab an Seelenverfettung? Wie werd’ ich enden, wie?

Most of those who in so-called youth cherished glowing dreams and wishes lose them before their thirtieth year. And then they look down from their firm standpoint, their narrow circle, with contempt on the others, whose circle burns and trembles away so far from the world in golden lights. Over which their thousand longings flit, like the iris colours of the rainbow. A fat soul — that would give the strength to bear everything unwaveringly, so long as one has enough nourishing food and drink. How then am I to arrange my life so that loneliness does not eat my heart away — how am I to be made proof against her deadly cobra bite? To look her firmly in the abysmal eyes, to nestle into her ice-cold arms of bone: I am not afraid — I am with you, you can do nothing to me, you have taken everything from me already, now give me what you can give — greatness! — If I spoke to her so, should I not subdue her? For moments, perhaps; but when the flood of the years closes over me, must I not freeze to death? Freeze with a heart whose kindling could set worlds on fire? Ah, how, how can I ever subdue her, the fearful Titaness with the fist of bone and the abysmally deep eyes? Shall I not come after all to a sudden, a violent end, only to escape death by freezing? Led away by the man in the fool's costume with the glaring eyes? Or else, killed by the “fat soul” attained at last, will my eternal part, the running light of my thousand longings, die of fatty degeneration of the soul? How shall I end, how?