The Novel of My Life ›Indian Preuschen Exhibition

Chapter 34 · side by sideIndian Preuschen ExhibitionINDISCHE PREUSCHEN-AUSSTELLUNG

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Deutsch — 1926English

Ende April war ich wieder im »Waldfrieden« und fing an, meine indischen Studien auszuführen.

At the end of April I was back at "Waldfrieden" and began to work up my Indian studies.

Johanna hatte sich diesmal auf einen kleinen Typhus ihrerseits beschränkt. Danach ging sie in Stellung zu Dernburgs in Grunewald, versprach mir aber, für meine indische Ausstellung sich wieder frei zu machen. Zur Empfangsdame eignete sie sich bei ihrer Liebe zu mir und bei ihrer glänzenden Suada ausgezeichnet. Aber dem Kassiererposten war sie nicht gewachsen, und ich mußte noch eine männliche Kraft dazu nehmen.

Johanna had confined herself this time to a small typhoid of her own. Afterwards she went into service with the Dernburgs in Grunewald, but promised me to make herself free again for my Indian exhibition. As receiving lady she was superbly suited, with her love for me and her brilliant flow of talk. But she was not equal to the cashier's post, and I had to take on a male force besides.

Anfang Frühling 1907 eröffnete ich meine große indische Ausstellung in den gleichen Räumen, die ich für meine griechische Ausstellung unter Leitung des Architekten B. (fürchterlichen Angedenkens) hatte ausmalen lassen. Am Kölnischen Fischmarkt war’s, unter lauter Kleidergeschäften. Das Lokal selber aber war geradezu herrlich. Trotzdem konnte es kein Kritiker unterlassen, die fragwürdige Lage zu tadeln. Genau wie seinerzeit von Hunderten und aber Hunderten von Kritikern jeder seinem Publikum versicherte, daß es eigentlich »Mors Imperatrix« heiße und nicht »Mors Imperator«.

At the beginning of spring 1907 I opened my great Indian exhibition in the same rooms that I had had painted out for my Greek exhibition under the direction of the architect B. (of dreadful memory). It was on the Köllnischer Fischmarkt, amid nothing but clothes shops. But the hall itself was downright glorious. Nevertheless no critic could refrain from censuring the questionable location. Just as in its day hundreds upon hundreds of critics each assured his public that it should really be called "Mors Imperatrix" and not "Mors Imperator."

Diese »Indische Preuschen-Ausstellung« war die erfolgreichste meines Lebens und hetzte darum eine Meute von Feinden und Kollegen auf meine Fersen. Ich hatte darin als »Clou« außer siebzig indischen »Farbenräuschen« in Landschaft, Blumen und Interieur mein großes, letztes, symbolistisches Bild: Leda und der Schwan oder, wie ich es nannte, Santa Vita, das heilige Leben, ausgestellt. Es sollte als Gegensatz zur Kirke (die die »Schweine«-Sinneslust des Mannes verkörpern wollte) die reine Sinnlichkeit, das Wunder der irdischen Sinnenliebe, darstellen. Das Weib auf dem goldenen Thron des Lebens, vor einem Dickicht leuchtender Hesperidenäpfel mit dem Wunder in ihrem Schoß, dem schwarzen Schwan, in höchster Verzückung. Zu ihren Füßen ein Lilienwald, und aus antikem Dreifuß wallen Dämpfe — Santa Vita!

This "Indian Preuschen Exhibition" was the most successful of my life, and for that very reason set a pack of enemies and colleagues on my heels. In it, as its "clou," besides seventy Indian "colour-intoxications" in landscape, flowers and interior, I had exhibited my great, last, Symbolist picture: Leda and the Swan or, as I named it, Santa Vita, holy Life. As a counterpart to the Circe (which was meant to embody the "swine"-sensuality of the man), it was to represent pure sensuality, the wonder of earthly sensual love. Woman on the golden throne of life, before a thicket of glowing apples of the Hesperides, with the wonder in her lap, the black swan, in highest rapture. At her feet a forest of lilies, and from an antique tripod vapours billow — Santa Vita!

Auch die allwöchentlichen Lyrikvorträge hielt ich stets vor einem dichtgefüllten Saal. Ich erzielte zahlreiche Verkäufe — denke ich heute daran, erscheint es mir fast unglaubwürdig — und bekam nicht nur die ungeheuren Unkosten gedeckt, sondern auch noch einige Mark Überschuß.

The weekly poetry recitals too I always held before a densely filled hall. I achieved numerous sales — when I think of it today, it seems to me almost past belief — and not only got the enormous expenses covered, but even a few marks of surplus besides.

Aber eigentlich war ich jetzt ausstellungsmüde. In meiner Unschuld dachte ich: Nun noch nach London und Amerika mit deinen Bildern, dann fällt die furchtbare Ausstellungsarbeit fort, und du kannst nur reisen und malen, bist bekannt und berühmt für alle Zeiten. Ich wußte damals noch nicht, daß der Künstler, der nach dem Ruhm seiner Zeit strebt, aber keiner Clique angehört, sondern ein Outsider ist (wie ich’s durch Mors Imperator geworden war) sein Leben lang durch eine tiefe Sandwüste stapfen muß, in der bei jedem neuen Schritt der vorige schon im Sande zerronnen ist.

But actually I was now exhibition-weary. In my innocence I thought: now just London and America still, with your pictures, then the terrible exhibition work falls away, and you can only travel and paint, and are known and famous for all time. I did not yet know then that the artist who strives after the fame of his own time but belongs to no clique, being an Outsider (as I had become one through Mors Imperator), must tramp his whole life long through a deep sand desert in which, at every new step, the one before has already run away in the sand.

Ganz im gleichen Schritt wandert so das Glück weit vor ihm her und

In just the same step, fortune thus wanders far ahead of him, and

»Mit nimmermüdem Sehnen Folgt er nun der windverwehten Spur Seiner flüchtigen Sohlen bis zu Ende.« —

"With never-wearying longing He now follows the wind-blown trace Of its fleeting soles unto the end." —

Wie sagte doch der Teppich-Haim bei meiner ersten Ausstellung in der Potsdamer Straße? »Sie sind keine Geschäftsfrau!« Nein, gottlob (und dennoch leider), die bin ich nicht und war ich niemals.

But what was it the carpet-Haim said at my first exhibition in the Potsdamer Straße? "You are no businesswoman!" No, thank God (and yet alas), that I am not and never was.

Trotz allem — die Indische Preuschen-Ausstellung war ein großer Erfolg.

In spite of everything — the Indian Preuschen Exhibition was a great success.

Am letzten Vortragsabend überreichte mir eine Verehrerin meiner Kunst einen Lorbeerkranz. Ich stand neben einem großen Strauß weißer Lilien (die ich stets für die indische Stimmung in der Halle duften ließ), da trat meine gute Freundin Clara Blüthgen an mich heran: »Hermione, bist du nicht glücklich? Höher hinaus geht es nicht mehr.« Ich sah sie ganz entgeistert an: »Und das nennst du hoch?« — —

On the last recital evening an admirer of my art presented me with a laurel wreath. I was standing beside a great sheaf of white lilies (whose scent I always let fill the hall for the Indian mood), when my good friend Clara Blüthgen stepped up to me: "Hermione, are you not happy? Higher than this there is no going." I looked at her quite dumbfounded: "And that you call high?" — —

Ach, damals hatte ich ja noch Träume und Hoffnungen. Höher bin ich ja bis heute wirklich nicht gekommen. Und werde es wohl kaum bei meiner Wanderung durch den stiebenden Sand. Aber ich werde müder und verzagter mit jedem Jahr und angeekelter vom Lebenskampf.

Ah, in those days I still had dreams and hopes. Higher, in truth, I have really never come to this day. And now hardly shall, on my wandering through the drifting sand. But I grow wearier and more despondent with every year, and more disgusted with the struggle for life.