The Novel of My Life ›To Kilimanjaro

Chapter 49 · side by sideTo KilimanjaroNACH DEM KILIMANDSCHARO

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Deutsch — 1926English

Aber in Tanga entfloh ich meinem Schiff. Ich schickte nur mein Gepäck weiter nach Mombasa. Ich selber aber fuhr auf der eben erst eröffneten Usambarabahn nach Moshi, dem Kilimandscharo entgegen.

But at Tanga I fled my ship. I sent only my luggage onward to Mombasa. I myself, though, travelled on the only just opened Usambara Railway to Moshi, toward Kilimanjaro.

Wie ein Student in Ferien erschien ich mir bei diesem neuen Seitensprung. Der Kilimandscharo stand ja nicht in meinem Programm. Die Bahn brauchte zwei Tage. In Buiko mußte man nächtigen — in einer Pionierkneipe. Ein gefälliges deutsches Fräulein empfing die Gäste. Mein Zimmer neben dem Speisesaal versprach nichts Gutes, aber das Fräulein spazierte mit mir am Pangani entlang. Drüben hingen die Zweige der himmelhohen Bäume bis tief ins Wasser.

Like a student on holiday I seemed to myself in this new escapade. Kilimanjaro, after all, was not in my programme. The railway took two days. At Buiko one had to pass the night — in a pioneer tavern. An obliging German Fräulein received the guests. My room next to the dining-hall promised nothing good, but the Fräulein strolled with me along the Pangani. On the far side the branches of the sky-high trees hung down deep into the water.

»Dahinter liegt die Massaisteppe«, sagte sie. Die schönen, kriegerischen, ach leider jetzt gleichfalls aussterbenden Massai, von denen ich so viel gehört hatte, hausten also dort.

“Beyond that lies the Masai steppe,” she said. So the beautiful, warlike, ah, sadly now likewise dying-out Masai, of whom I had heard so much, dwelt there.

»Da kommt einer«, meinte sie und sprach höchst freundlich in seiner Sprache mit ihm, tätschelte ihm auch zärtlich Brust und Rücken.

“Here comes one,” she said, and spoke most amiably with him in his own language, patting him tenderly, too, on chest and back.

Die Sonne sank glutrot hinter der Massaisteppe. Wir kehrten um, »weil wir sonst auf Schlangen treten«, meinte Fräulein Else M., die Tochter eines sächsischen Obersten, wie sie mir erzählte. Aber wir kamen einen andern Weg zurück und kehrten in einem dunkeln Kral ein, in dem ein junger Massaikrieger, am Boden hockend, Feuer schlug. Wieder girrte und tätschelte Fräulein Else so lange mit ihm, bis ich empört erklärte, wenn sie jetzt nicht mitkäme, ginge ich allein. Das brachte sie wieder zur Besinnung.

The sun sank glowing red behind the Masai steppe. We turned back, “because otherwise we shall tread on snakes,” said Fräulein Else M., the daughter of a Saxon colonel, as she told me. But we came back by another path and turned in at a dark kraal, in which a young Masai warrior, squatting on the ground, was striking fire. Again Fräulein Else cooed and patted with him so long that I declared indignantly that if she did not come along now I would go alone. That brought her back to her senses.

Andern Tages in Moshi hörte ich an der »Boma«, dem Gericht, daß sie demnächst, wegen perverser Neigung zu Eingeborenen, abgeschoben würde. Noch höre ich ihre triumphierende Stimme: »Ich gehe nie, nie mehr von hier fort.« Welche Nachtseite, arme Else, hast du mir enthüllt.

Next day in Moshi I heard at the “boma,” the court, that she was shortly to be deported, for perverse inclination toward natives. I still hear her triumphant voice: “I shall never, never go away from here again.” What a night-side, poor Else, you revealed to me.

In Moshi, dem oberen (drunter wird jetzt eine moderne Großstadt begonnen, und vier große Hotels werden auf einmal gebaut), gefiel es mir über alle Maßen. Wir sind hier auf ein Drittel Höhe des »Kibo«, wie die Eingeborenen den Kilimandscharo nennen, es wehen reinere, herrliche Lüfte! Und wie leuchten des Nachts die Sterne! Ich war in der Musterschamba des Dr. Förster einquartiert und täglich bei Herrn und Frau Freitag (von der Boma) zu Gaste. Wieviel habe ich da gelernt über die Wadschagganeger, die hier oben in der dritten Zone des Kilimandscharo, im dichten Bananengürtel ihre blätterversteckten Krals bewohnen. Ihr Häuptling ist Salema, der Sohn des seinerzeit vor der Boma gehängten Fürsten. Doch das sind alte, längst vergessene Geschichten — — —

In Moshi, the upper one (below, a modern metropolis is now being begun, and four big hotels are building at once), I liked it beyond all measure. We are here at a third of the height of “Kibo,” as the natives call Kilimanjaro, and purer, glorious airs are blowing! And how the stars shine at night! I was quartered at the model shamba of Dr. Förster and was daily a guest of Herr and Frau Freitag (of the boma). How much I learned there about the Wadschagga Negroes, who up here in the third zone of Kilimanjaro, in the dense banana belt, inhabit their leaf-hidden kraals. Their chieftain is Salema, the son of the prince hanged in his day before the boma. But those are old, long-forgotten stories — — —

Nach und nach reifte ein Entschluß in mir. Ich wollte nicht mehr auf der Usambarabahn zurück, um von Tanga zu Schiff nach Mombasa und von dort auf der Ugandabahn über Nairobi nach dem Viktoria Nyanza zu fahren. Das war sehr zeitraubend, und außerdem konnte das ein jeder.

Little by little a resolve ripened in me. I no longer wanted to go back on the Usambara Railway, to travel from Tanga by ship to Mombasa and from there on the Uganda Railway via Nairobi to the Victoria Nyanza. That was very time-consuming, and besides, anyone could do that.