The Novel of My Life ›Sousse — El Djem — Sfax — Gabès — Gafsa
Chapter 63 · side by sideSousse — El Djem — Sfax — Gabès — GafsaSOUSA — EL DJEM — SFAX — GABES — GAFZA
← Back to the annotated English, with the notes
So fuhr ich denn südwärts nach Sousa, dem alten römischen Hadrouméde. Die Katakomben dort sind unermeßlich, und ein alter römischer Friedhof befindet sich über der Erde, der fast der einzige seiner Art ist. Auch ein Besuch des Museums mit wundervollen, einzigartigen Mosaikfußböden ist sehr lohnend. Vom Dach des französischen Gouvernementsgebäudes durfte ich einen orientalischen Sonnenuntergang malen, wie ich ihn noch niemals gesehen hatte. Er war wie eine Transfiguration von Welt und Leben. Ich war wie berauscht und hätte die ganze Welt umarmen mögen. Dann fuhr ich weiter nach El Djem, dem riesigen, völlig wohlerhaltenen römischen Amphitheater, von dem man sagt, daß niemals darin gespielt worden sei. Es ist weit größer und eindrucksvoller als das in Rom, weil es in einer von Opuntien bewachsenen Sandebene liegt (während jetzt in Rom moderne Mietshäuser in die Fensterhöhlen der Arena schauen). Ich sah es bei Sonnenuntergang und später auch bei Mondschein, denn ich entschloß mich im letzten Augenblick, länger zu bleiben und einen Abendzug zur Weiterfahrt zu benutzen. Das sollte mir teuer zu stehen kommen. Ein ziemlich wild aussehender Kaufmann aus Sbeitla, der nach Tripolis fahren wollte, sich dort anzusiedeln, folgte meinem Beispiel. So führte uns das Geschick zusammen. Der Mann war schrecklich. Aber ich lustwandelte mit ihm bei Mondschein um die Arena, was ich allein niemals gewagt hätte, verzehrte an seiner Seite, in einer mondüberglänzten Nische, mein Abendbrot, und dann fuhren wir weiter nach Sfax. Der Zug kam erst um zwei Uhr nachts an. Wegen irgendeines Festes waren alle französischen Hotels besetzt, und wir steuerten nun zu einem waschechten arabischen Quartier zweifelhaftester Sorte. Alles schlief schon, nur ein paar verdächtige Houris huschten auf den Galerien umher. Sie erklärten, es sei nichts frei, wir müßten ins Massenquartier. Viele Türen waren offen und zeigten Schläfer in langen Reihen. Was tun? Auf den energischen Protest des Sbeitlamannes wurden endlich fünf Schläfer aus einem großen Raum hinausgeworfen. Sie taumelten polternd und schreiend von ihren Schlafstätten; angenehm war’s ja wirklich nicht für sie. Aber nun glaubte der gute Tripolitaner, er dürfe das eroberte Gemach mit mir teilen und trollte, als ich ihn hinauswies, tief empört ins Massenquartier. Wenn er das gewußt, hätte er sich wohl weniger ins Zeug gelegt! Er hatte schon anfangen wollen auszupacken. Gottlob war ein fester Riegel vor der Tür. Höchst fragwürdige Wäsche brachte das schwarze Weib. Und das Strohlager war ganz angewärmt! Trotzdem dankte ich dem Himmel dafür.
So I travelled southwards to Sousse, the old Roman Hadrumetum. The catacombs there are immeasurable, and there is an old Roman cemetery above ground which is almost the only one of its kind. A visit to the museum, with its wonderful and unique mosaic floors, is also very rewarding. From the roof of the French government building I was allowed to paint an oriental sunset such as I had never seen before. It was like a transfiguration of world and life. I was as if intoxicated and could have embraced the whole world. Then I went on to El Djem, the huge and perfectly preserved Roman amphitheatre, of which it is said that nothing was ever staged in it. It is far larger and more impressive than the one in Rome, because it lies in a sandy plain overgrown with prickly pear (whereas in Rome nowadays modern tenements look into the window-holes of the arena). I saw it at sunset and later by moonlight too, for at the last moment I decided to stay longer and take an evening train onward. That was to cost me dear. A rather wild-looking merchant from Sbeitla, who wanted to go to Tripoli and settle there, followed my example. So fate brought us together. The man was dreadful. But I strolled with him by moonlight around the arena, which alone I should never have dared, ate my supper at his side in a moonlit niche, and then we travelled on to Sfax. The train did not arrive until two in the morning. Because of some festival all the French hotels were full, and we now steered for a thoroughly Arab lodging house of the most dubious sort. Everyone was already asleep, only a few suspicious houris flitted about on the galleries. They declared that nothing was free, we would have to go into the common dormitory. Many doors stood open and showed sleepers in long rows. What was to be done? On the vigorous protest of the man from Sbeitla, five sleepers were at last thrown out of a large room. They staggered up from their beds, crashing and shouting; it really was not pleasant for them. But now the good Tripolitan believed he might share the conquered chamber with me, and when I showed him the door he trotted off, deeply offended, to the common dormitory. Had he known that, he would probably have exerted himself less! He had already been about to unpack. Thank God there was a solid bolt on the door. The black woman brought highly questionable bed linen. And the straw bed was still quite warm! All the same I thanked heaven for it.
Am andern Tage (den Tripolitaner sah ich zum Glück nicht mehr) besah ich mir das alte und neue Sfax. Die alte Maurenstadt mit ihrer zinnengekrönten Stadtmauer ist das malerischste an orientalischem Gewinkel, das sich denken läßt. Aber malen konnt’ ich nicht. Das neue Sfax ist entsetzlich großstädtisch modern.
The next day (fortunately I did not see the Tripolitan again) I looked over old and new Sfax. The old Moorish town with its battlemented city wall is the most picturesque piece of oriental huddle imaginable. But paint I could not. New Sfax is dreadfully metropolitan and modern.
Nachmittags um drei Uhr ging’s mit dem Postauto durch die Wüste nach der Oase Gabes. Viele Stunden fuhren wir, eingepökelt wie die Heringe. Bei dunkler Nacht erst kamen wir an das kleine, französische, überfüllte Haus.
At three in the afternoon we set off by post-bus through the desert to the oasis of Gabès. We drove for many hours, salted down like herrings. Only in the dark of night did we reach the little, French, overcrowded house.
In der Nacht bekam ich einen der Kolikanfälle, wie sie mich, seit ich den tunesischen Boden betreten, schon öfter heimgesucht hatten. Vielen Fremden ergeht es so, es liegt am Wasser. Aber ich glaubte zu sterben. Am andern Tage ließ ich den französischen Oberbeamten, an den ich empfohlen war, an mein Lager kommen. Der Graf Miremont (ich glaube, so hieß er) war sehr gütig und tröstete mich, daß ich beim heutigen Sandsturm doch nichts verloren hätte. Am nächsten Tage werde sein Kawaß mich herumführen. Der trat auch pünktlich an. Ich nahm eine der ausrangierten billigen Droschken, und in zwei Tagen hatte ich alle Oasen durchquert, auch ein paar Skizzen gemacht. Nach der vor dem Golf von Gabes lagernden Insel Djerba, der berühmten Insel der Lotophagen Homers, bin ich leider nicht gekommen.
In the night I had one of the attacks of colic which had visited me more than once since I set foot on Tunisian soil. It goes that way with many foreigners; it is the water. But I thought I was dying. The next day I had the senior French official to whom I had been recommended come to my bedside. Count Miremont (I think that was his name) was very kind, and consoled me that in today's sandstorm I had lost nothing anyway. The next day his kavass would take me round. And he duly reported for duty. I took one of the cheap cast-off cabs, and in two days I had crossed all the oases and made a few sketches as well. To the island of Djerba, lying off the Gulf of Gabès, Homer's famous island of the Lotus-eaters, I unfortunately did not get.
Am vierten Tag fuhr ich weiter mit dem Postauto, das um vier Uhr früh losging. In der Eile stürzte ich die Treppe hinab, und beinahe hätte ich mir den Hals gebrochen.
On the fourth day I travelled on by post-bus, which left at four in the morning. In my haste I fell down the stairs, and very nearly broke my neck.
In Gafza, einer anderen, viel schöneren Oase, hatte ich einen neuen Kolikanfall. Wieder saß der dortige französische Würdenträger an meinem Bett. Und am nächsten Tag durchstreifte ich abermals mit seinem Kawaß Oase und Wüste.
In Gafsa, another and far lovelier oasis, I had a fresh attack of colic. Again the local French dignitary sat by my bed. And the next day I roamed oasis and desert once more with his kavass.
Gafza ist ein herrlicher Fleck. Die Eigenart der Sahara ging mir dort zum ersten Male ganz auf. Wie seltsam wirkte sie auf mich mit den endlosen Kamelkarawanen, den wunderbaren Stimmungsbildern! Ich besuchte auch die Frau des Kaid, eine Vollblutaraberin, die mir Riesendatteln schenkte.
Gafsa is a glorious spot. The peculiar quality of the Sahara came home to me fully there for the first time. How strangely it worked on me, with its endless camel caravans, its wonderful pictures of mood! I also visited the wife of the Caid, a full-blooded Arab woman, who made me a present of giant dates.