The Novel of My Life ›Tozeur — Sbeitla — Kairouan — Dougga — Bulla Regia
Chapter 64 · side by sideTozeur — Sbeitla — Kairouan — Dougga — Bulla RegiaTOZER — SBEITLA — KAIRUAN — DOUGGA — BULLAREGGIA
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Und dann ging es durch ein berühmtes Felsental, in dem große industrielle künstliche Dünger-Salpeterminen sind, mit der neuen Bahn nach Tozer, oder wie die Franzosen sagen, Tozeur. Dort blieb ich ein paar Wochen — es war gerade Dattelernte — und wurde langsam wieder gesund. Oder ich gewöhnte mich vielleicht nur an das tunesische Wasser. Ich fand auch einen italienischen Maler, Francesco Franchetti, mit dem ich mich bald anfreundete und in dessen Atelier (er wohnte im altarabischen Haus des Kaid) ich famose maurische Interieurmotive fand. Wir machten große Spaziergänge zusammen durch die Oasen und sahen überall der Dattelernte zu. Dann lehrte mich Signor Franchetti Haschisch rauchen, führte mich zu arabischen Scheichs und Weltweisen. Neue Welten gingen mir auch hier wieder auf. Tozer ist die charakteristischste Saharastadt mit ihren festungsartigen Backsteinbauten, die mich an die altmexikanischen Ruinen von Mitla erinnerten. Auch in Nephta war ich, der ganz aus Lehm gebauten Stadt, die auf ihren sieben Hügeln ruht, überragt von den großen Kuppelmoscheen. Eine große Dattelkiste, die ich von Tozer an die Kinder abgehen ließ, erregte ein solches Entzücken, daß ich mir vornahm, in jedem Jahr diese Datteln zu beziehen. Und im nächsten Herbst, vor der nächsten Dattelernte schon, kam der Weltkrieg!
And then it went through a famous rocky valley, in which there are great industrial mines of artificial fertiliser saltpetre, on the new railway to Tozer, or as the French say, Tozeur. There I stayed a few weeks — it was just the date harvest — and slowly grew well again. Or perhaps I was only getting used to the Tunisian water. I also found an Italian painter, Francesco Franchetti, with whom I soon made friends and in whose studio (he lived in the old Arab house of the Caid) I found splendid Moorish interior motifs. We took long walks together through the oases and watched the date harvest everywhere. Then Signor Franchetti taught me to smoke hashish, and led me to Arab sheikhs and sages. New worlds opened to me here too. Tozeur is the most characteristic Sahara town with its fortress-like brick buildings, which reminded me of the ancient Mexican ruins of Mitla. I was in Nefta as well, the town built wholly of clay, which rests on its seven hills, overtopped by the great domed mosques. A great crate of dates which I sent off from Tozeur to the children caused such delight that I resolved to have these dates every year. And the next autumn, before the next date harvest even, came the World War!
Als ich endlich scheiden mußte, fuhr ich geradeswegs nach der heiligen Stadt Kairuan, die erst vor wenigen Jahren den Europäern geöffnet worden ist. Das heißt, auf dem Wege besah ich mir noch die riesigen römischen Ruinen von Sbeitla (der Heimat des »Tripolitaners«). Sie imponierten mir gewaltig, wie all die afrikanischen Römerstätten; ich machte auch eine stimmungsvolle Skizze von Triumphbogen und Trümmerfeld.
When at last I had to leave, I travelled straight to the holy city of Kairouan, which was opened to Europeans only a few years ago. That is to say, on the way I still looked over the huge Roman ruins of Sbeitla (the home of the “Tripolitan”). They impressed me enormously, as all the African Roman sites do; I also made an atmospheric sketch of the triumphal arch and the field of rubble.
In Kairuan war noch echtes Araberleben! Wunderschöne, reiche Moscheen; am eigenartigsten aber war die Lage der Stadt in einer wüstenartigen Ebene, von Tausenden arabischen Friedhöfen mit ihren weißen Leichensteinen zwischen Opuntiengebüschen und Hecken umgeben. Es sah aus, als ob die ganze Welt ein Leichenfeld wäre. Der Blick vom großen Minaret, bei Sonnenuntergang, ist überwältigend.
In Kairouan there was still real Arab life! Wonderful, rich mosques; but the strangest thing was the situation of the town in a desert-like plain, ringed by thousands of Arab burial grounds with their white corpse-stones among the thickets of prickly pear and the hedges. It looked as though the whole world were a field of corpses. The view from the great minaret, at sunset, is overwhelming.
Hier lernte ich eine sehr merkwürdige, österreichische, ganz pariserische Malerin kennen, der die Lorbeeren der Rosa Bonheur keine Ruhe ließen. Sie malte in einer Art Kattunkäfig auf dem Markt, vor ihr »standen« ihre Modelle, Araber zu Pferd. Auch sie sagte mir: »Paris ist der einzige Ort, in dem man gedeiht, ich gehe nie von dort fort.« Wohin mag der Krieg sie verweht haben?
Here I came to know a very singular Austrian woman painter, thoroughly Parisian, whom the laurels of Rosa Bonheur gave no peace. She painted in a kind of calico cage in the market place, and before her “stood” her models, Arabs on horseback. She too said to me: “Paris is the only place where one flourishes, I shall never go away from there.” Where may the war have blown her?
Kairuan ist so »stimmungsträchtig« wie wenig andere Orte. Ich sah hier auch öfter die tanzenden und heulenden Derwische, die ich vor Jahren in Kairo zuerst erlebte. Da man hier dicht dabei sitzen darf, wirken sie noch viel unheimlicher und schauerlicher.
Kairouan is as “charged with mood” as few other places are. Here too I often saw the dancing and howling dervishes, whom I first experienced years ago in Cairo. Since here one is allowed to sit close beside them, they work far more uncannily and more gruesomely still.
Zum Schluß meiner tunesischen Rundfahrt ging’s noch nach Teboursuk, Dougga. In herrlichster, großzügiger Hügelgegend, zwischen Ölwäldern, liegt das römische Riesenruinenfeld von Dougga. Unendlich viel ist hier noch erhalten. Besonders im Theater. (Das einzige, in dem der Souffleurkasten noch zu sehen ist.) Auch hier wurde ich wieder vom Kawaß des Machthabenden von Teboursuk geleitet und geführt. Einen ganzen Tag verbrachte ich in den Ruinen, in denen ich auch mit steifen Händen malte, denn leider war’s empfindlich kalt.
At the close of my Tunisian tour it went on to Téboursouk, Dougga. In the most glorious, broadly laid-out hill country, among forests of olive, lies the giant Roman ruin field of Dougga. An infinity of it is still standing. Especially in the theatre. (The only one in which the prompter's box is still to be seen.) Here too I was again escorted and guided by the kavass of the man in power at Téboursouk. I spent a whole day in the ruins, in which I painted with stiff hands as well, for unfortunately it was bitingly cold.
Von vielen Tempeln sind noch Säulen und Giebel vorhanden, ferner Sonnenuhren, wundervolle Marmorpflasterung — eine versunkene und dennoch voll geahnte Welt.
Of many temples the columns and pediments are still there, and sundials besides, wonderful marble paving — a sunken world, and yet a world fully divined.
Das alles ist aber nichts gegen den Glanz und die Pracht der erst ganz kürzlich begonnenen Ausgrabungen bei Bullareggia. Vier Sommerpaläste römischer Großen sind dort — unterirdisch, um im heißen Afrikasommer Kühle zu genießen — entdeckt worden. Man steigt auf breiten Marmortreppen in die Tiefe und findet wundervolle Mosaikfußböden. Der Palast der Amphitrite und der Palast der Jagd sind die schönsten. Sie sind so wohl erhalten wie die besten Häuser in Pompeji; Toiletten und Speiseaufzüge noch vorhanden. In der Piscina, dem Fischbehälter, sieht man künstlerische Fischmosaiken von entzückender Lebendigkeit. Auch bei den großen Bädern wird jetzt mit der Ausgrabung begonnen. Eine Anzahl wohlerhaltener Statuen aus Bullareggia, die im Bardo von Tunis aufgestellt sind, hatten mir schon dort die Anregung meines Besuches gegeben. Weltverlassen und wild ist die Landschaft, mit Schilf und Lianen alles umwuchert. Die fernen Berge standen tiefschwarzblau im Wolkenschatten.
But all that is nothing beside the brilliance and splendour of the excavations begun only quite recently at Bulla Regia. Four summer palaces of Roman grandees are there — underground, so as to enjoy the cool in the hot African summer — and they have been uncovered. One goes down broad marble staircases into the depths and finds wonderful mosaic floors. The Palace of Amphitrite and the Palace of the Hunt are the loveliest. They are as well preserved as the best houses in Pompeii; lavatories and dinner lifts still there. In the piscina, the fish tank, one sees artistic fish mosaics of a delightful liveliness. At the great baths, too, the digging is now beginning. A number of well-preserved statues from Bulla Regia, set up in the Bardo at Tunis, had already given me there the impulse for my visit. Forsaken of the world and wild is the landscape, everything overgrown with reeds and lianas. The distant mountains stood a deep blue-black in the shadow of the clouds.
Mein Wirt von der Eisenbahnstation hatte mich im kleinen Wagen hingefahren und erzählte mir unterwegs von dem vor knapp einem Jahr in diesen Ruinen begangenen unaufgeklärten Mord an einer französischen Dame. Mit aufgeschnittenem Leib hatte man sie gefunden, vom Täter fehlte jede Spur. Zahllose Araber wurden in Untersuchungshaft genommen, mußten aber aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden. Wie eine schwarze Wolke brütet das Geheimnis über der grauenvollen Tat von Bullareggia. Ich dachte wieder an mein jüngstes Erlebnis in La Marsa, und mir graute noch nachträglich, wenn ich an den tierischen Ausdruck im Gesicht meines Führers dachte, an seine zitternden Hände, seinen keuchenden Atem. — — —
My host from the railway station had driven me out in the little carriage and told me on the way of the unsolved murder of a French lady committed in these ruins barely a year before. She had been found with her body cut open, and of the killer there was no trace. Countless Arabs were taken into custody, but had to be released again for want of evidence. Like a black cloud the mystery broods over the horrible deed of Bulla Regia. I thought again of my most recent experience at La Marsa, and I shuddered even in retrospect when I thought of the animal expression on my guide's face, of his trembling hands, his panting breath. — — —